Die Anfänge

Vom kleinen Ort Suates zur Bergbaumetropole Schwaz

Die Anfänge des Ortes liegen im dunkeln. Der Name Suates, der wie Stans, Terfens, Volders, Wattens mit einem „s“ endet, ist sicher vor der deutschen Besiedlung und auch vor der römischen Besetzung des Landes entstanden. Die Leute im mittleren Inntal waren vom Stamm der Breonen (ob diese Räter oder Illyrer waren, weiß man nicht).
Schwaz lag auf der Schattenseite des Inntales, Getreide wuchs schlechter, und der Lahnbach mit seinen Vermurungen war auch kein Anreiz, sich anzusiedeln. Schwaz ist darum sicher nicht als Bauerndorf, wie Vomp und Stans, gegründet worden, sondern als Bergwerksort. Bereits um 1500 vor Christi hat man in den Schwazer Bergen das Kupfer zum erstenmal entdeckt, welches in Verbindung mit Zinn zur Herstellung von Bronze benötigt wurde. Das Silber konnte man mit dem damaligen Stand der Schmelztechnik noch nicht gewinnen. Der Schwazer Kupferbergbau war wohl mit eine Ursache für die intensive Besiedlung des mittleren Inntales in der Urnenfelderkultur (vgl. Urnenfriedhöfe in Hötting, Mühlau, Wilten, Volders, Matrei). 15 v.Chr. eroberten die Römer das Inntal und gliederten es in die Provinz Rätien ein.
Nach dem Untergang des weströmischen Reiches wanderten die germanischen Bayern um 550 in das mittlerweile herrenlose Bergland ein. Von Schwaz hört man in dieser Zeit nichts. Die Wirtschaft sinkt wieder auf Ackerbau und Viehzucht zurück. Die Bayern waren ein echtes Bauernvolk und besiedelten neben den übriggebliebenen Breonen das Inntal (worauf Ortsnamen wie Fiecht, Wiesing, Gallzein, Buch und Weer in der Schwazer Umgebung hinweisen). Das Inntal war ein Teil des Herzogtums Bayern, das im Jahre 788 durch Kaiser Karl dem Großen dem Frankenreich einverleibt wurde. In die Zeit zwischen dem untergehenden Frankenreich und dem Beginn des Hl. Römischen Reiches deutscher Nation (um 960) fällt die zufällige erste Nennung von Schwaz in einer Urkunde: 930 schenkt die hochadelige Frau Himiltrudis dem Erzbischof von Salzburg alles Eigengut und ihre Leibeigenen in Vomp, Suates und Wiesing. Die Mehrheit der damaligen Bevölkerung bestand aus Unfreien und Leibeigenen, und auch in Schwaz dürfte es nur Leibeigene gegeben haben, deren Herren der König und der hohe Adel, die Herzöge von Bayern, die Grafen von Andechs, die Hochstifte Brixen, Salzburg, Regensburg und Freising, sowie die großen Klöster, denen König und Adel immer neue Stiftungen schenkten, waren.

Mittlerweile waren die politischen Zustände im Inntal in Bewegung gekommen. Da die Bayernherzöge oft gegen die Kaiser in Opposition standen, hatte Kaiser Konrad II. im Jahre 1027 das Inn- und Eisacktal den Bischöfen von Brixen als weltliches Herrschaftsgebiet übergeben und die Herzöge auf der (damals schon) wichtigen Italienroute über den Brenner ausgeschaltet. Da die Bischöfe die weltliche Macht nicht persönlich ausüben durften, übertrugen sie die Verwaltung an hohe Adelige als sogenannte Vögte. Im Inntal regierten namens des Bischofs (und bald auch ohne ihn) die mächtigen Grafen von Andechs. 1284 kaufte Graf Meinhard II. von Görz – Tirol die Inntalgrafschaft. Seither gehört Schwaz endgültig zum Land Tirol.
In dieser Epoche tritt in Schwaz ein Geschlecht des niederen Adels auf – die Herren von Freundsberg, benannt nach ihrer Stammburg über Schwaz. Sie kamen als Dienstmannen der Andechser ins Land. Um 1170 errichteten sie die Burg Freundsberg als einfachen Turm, 1230 errichteten sie sie neu. Am 23. April 1326 verlieh Berthold von Freundsberg den Schwazern das Recht eines Wochenmarktes, das von König Heinrich bestätigt wurde. Dieser Wochenmarkt war am Kirchanger südlich des Kreuzes (heute Stadtpark bei der Pfarrkirche). Schwaz war auch Gerichtssitz und die Herren von Freundsberg waren auch Besitzer von Sonnenburg bei Innsbruck, Friedberg bei Volders, Matzen bei Brixlegg, Mariastein und anderer Burgen. Durch die Einführung des Wochenmarktes entstand neben dem Dorf, das östlich des Lahnbaches war, westlich des Lahnbaches allmählich eine zweite Gemeinde, der Markt.
Trotz des Wochenmarktes war Schwaz nie rechtlich ein stadtähnlicher Marktort, wie Matrei oder Imst. Deshalb gab es in Schwaz auch nie Bürger oder Inwohner, also Menschen verschiedenen Rechts wie dies bei Städten und Märkten selbstverständlich war. Vielleicht wäre Schwaz ein solcher Marktort geworden, wenn nicht im 15. Jahrhundert der Bergbau alle bisherigen Verhältnisse umgestürzt hätte.
Zur Blütezeit des Bergbaues (15./16. Jahrhundert) war Schwaz die größte Bergbaumetropole Mitteleuropas und war mit 20.000 Einwohnern nach Wien die zweitgrößte Ortschaft im habsburgischen Reich. Aus verschiedenen Gründen war Schwaz trotz seiner Größe damals keine Stadt: Einerseits musste eine Stadt Mauern und Türme haben, wobei die Bergwerke und viele Betriebe außerhalb des Mauerschutzes gewesen wären, andererseits wollten die Gewerken und Bergleute, die viele Privilegien und Sonderrechte hatten, nicht in die Pflichten einer Stadt eingeengt werden. Noch dazu kam, dass Schwaz nicht eine Gemeinde war, sondern mehrere Gemeinden und Viertel umfasste. Am Anfang der Bergwerkszeit bestand Schwaz aus dem stadtähnlichen Markt, dem Dorf (mit Gnein und Söllleutviertel) und den Obleien oder selbständigen Hauptmannschaften Ried, Arzberg und Zintberg, also aus insgesamt fünf Gemeinden. Die Stadterhebung erfolgte erst 1899.