Silbergeld

Vom Silber zum Geld

Die Erfindung des Talers

Im Jahr 1477 verlegte Erzherzog Sigmund die traditionsreiche Tiroler Münzstätte von Meran nach Hall. Als Zentrum des Tiroler Salzhandels hatte Hall zur wirtschaftlichen Blüte gefunden und als Kopfstation der Innschiffahrt kam dem neuen Münzort besondere Bedeutung im Güterverkehr zu. Auch die Nähe zu Schwaz sprach für den neuen Standort – der bisher lange und nicht ungefährliche Weg der Silbertransporte über den Brenner konnte wesentlich verkürzt werden.
In den ersten fünf Jahren schlug die Haller Münze nur Vierer und Kreuzer und daneben den neuen Goldgulden. Die Goldarmut auf der einen und der Silberreichtum auf der anderen Seite führten zum Wunsch, eine größere Zahlungseinheit aus Silber herzustellen, zumal es technisch gar nicht möglich war, die riesigen Silbermengen der Schwazer Reviere nur zu Kreuzern und Vierern zu vermünzen. Erzherzog Sigmund bestellte den Oberitaliener Antonio vom Ross (Antonio de Caballis) zum obersten Amtmann der Haller Münze. Dieser wollte das Pfund Berner, das bislang in Tirol nur eine Recheneinheit gewesen war, nach italienischem Vorbild als Silbermünze im Wert von 12 Kreuzern ausprägen (1482). Rasch mußte man allerdings erkennen, daß Größe und Gewicht des Pfundners Probleme im Zahlungsverkehr verursachten. Die Haller Münze reagierte sofort und prägte Halbpfundner im Wert von sechs Kreuzern aus. Diese später als Sechser bezeichnete Münze entwickelte sich zur bedeutendsten Münze im Geldumlauf der damaligen Wirtschaft. 1484 schlug man ein Silberstück im Wert von 30 Kreuzern, was einem halben Goldgulden entsprach. Zwei Jahre später wagte man sich an die Ausprägung einer Silbermünze im Wert eines Guldens, des Guldiners, der erste Taler der Welt. Die Haller Münze entsprach mit ihrer Neuschöpfung, die als „Taler“ längere Zeit hindurch fast überall in Europa als Zahlungsmittel Anerkennung fand, einem weitum bestehenden Bedürfnis nach einer hochwertigen Silbermünze (die Bezeichnung Taler leitet sich von Joachimstal – im heute Tschechischen Erzgebirge – her, wo die Grafen von Schlick etwa 30 Jahre später große Mengen des Haller Guldiners nachprägten und ihre Münzen Joachimstaler oder kurz Taler nannten).

Burg Hasegg/Münze Hall