Wasserkunst

Ein Meisterwerk der Technik

Im Jahre 1515 begann man im Revier Falkenstein mit dem Abteufen des Schrägschachtes (82° Neigung). Bei der Suche nach dem Fahlerz im Tiefbau (Abbau unterhalb der Talsohle) standen die Bergleute einem massiven Problem gegenüber – dem Grundwasser. Deshalb stellte man Wasserknechte ein, die für die Trockenhaltung des Schachtreviers zuständig waren. 11 Jahre nach Beginn des Schachtbaues, 1526, waren 84 Wasserheber beschäftigt, bis zur Fertigstellung des Schachtes im Jahre 1533 erhöhte sich deren Anzahl auf 600. Die Wasserknechte arbeiteten in 6 Schichten zu je etwa 100 Mann unter schwierigsten Arbeitsbedingungen. 4 Stunden standen sie in der Nässe und Kälte auf hölzernen Leitern. Mit der Zeit forderten die Wasserknechte immer höhere Gehälter und sie schreckten auch nicht davor zurück, ihre Forderung durch Streiks zu bekräftigen. Den Gehaltsforderungen wurde oft nachgegeben wodurch die Kosten für das Schachtrevier enorm stiegen. Deshalb versuchten die Gewerken, das teure Personal durch eine Maschine zu ersetzen.
Die anfänglichen Versuche, die Wasserknechte durch technisches Gerät (z.B. Handpumpen) abzulösen, waren wenig erfolgreich. Erst im Jahre 1556 gelang es eine Wasserhebemaschine nach den Plänen des Salzburger Kunstmeisters Wolfgang Lasser (+1554) einzubauen. Diese Maschine funktionierte nach dem Prinzip „Wasser hebt Wasser“, sie bestand aus einem oberschlächtig angetriebenen Kehrrad mit einem doppelkonischen Haspelkorb (Gapelrad). Zum Antrieb des Kehrrades wurde ein 4 km langes Holzrinnwerk durch den Berg gelegt, durch das Wasser vom Bucher Bach hereingeleitet wurde. Das Wasser wurde mit „Bulgen“, aus Ochsenhäuten zusammengenähte Säcke, gefördert, das Erz mit kupfernen Tonnen.
Doch auch mit dieser technischen Errungenschaft war es schwierig, den Abbau im Schachtrevier aufrecht zu erhalten. 1615 musste man den Schacht erstmals aufgeben und verfüllte ihn mit taubem Gestein. Erst 1650 entschloss man sich, den Schacht wieder zu gewältigen und begann gleichzeitig einen zweiten, saigeren (=senkrechten) Schacht abzuteufen. Man verbesserte die Technik der Wasserhebemaschine und schlug eine Verbindungstrecke von der Schachtstube zum Saigerschacht.
In den folgenden Jahren wurde ein weiteres Wasserrad, das nur der Wasserhebung durch Pumpen dienen sollte, in der mittleren Radstube eingebaut. 1755 vollzog Johann Baptiste von Erlacher die letzte Verbesserung, indem er ein drittes Wasserrad einbauen ließ, dessen Gestänge mit dem des zweiten Wasserrades gekoppelt war, wodurch der Antrieb verbessert werden konnte.
Die Abmessungen der Wasserräder: Das Gapelrad (Untere Radstube) maß 28 Schuh (ca. 9,2 m), das mittlere Rad 30 Schuh (ca. 9,9 m) und das obere Rad (Mittlere Radstube) 32 Schuh (ca. 10,6 m).